Brennpunkt Sockel

Die häufigsten Schäden an der Fassade findet man im Sockelbereich. Unabhängig davon, ob das Gebäude unterkellert ist, auf einer Bodenplatte steht oder ein Streifenfundament besitzt: die Schnittstelle zwischen erdberührtem Bereich und aufgehender Fassade ist ein echter Brennpunkt. Erschwerend kommt hinzu, dass sich in diesem Bereich eine oftmals folgenschwere Gewerkelücke auftut: vom Fachunternehmer Rohbau zum Fachhandwerker Putz bis hin zum Gewerk Garten- und Landschaftsbau – wer ist für welche Maßnahme zuständig und wer hätte sich mit wem absprechen müssen? Der nachfolgende Artikel hilft, Licht in diesen Dschungel zu bringen!

Abb.1: Die Abbildung zeigt einen typischen Feuchteschaden im Sockelbereich eines Wohnhauses, gut erkennbar an dem Feuchtigkeitssaum, der ca. 20 cm über der Geländekante (GOK) verläuft. Die nachfolgenden Ausführungen sollen verdeutlichen, wie es zu diesem Erscheinungsbild kommt und wie der Feuchteeintrag vermieden werden kann.

Sockel – Funktion und Ausführung

Der Sockel eines Gebäudes übernimmt vielfache Funktionen und Aufgaben. Er ist der Fußpunkt des Gebäudes: Statik und Lasteinleitung des kompletten Baukörpers in den Baugrund müssen mechanisch aufgenommen werden. Der Sockel steht im Erdreich, mit allen Konsequenzen, die aus dem Baugrund auf ihn einwirken: Feuchtigkeit, drückendes Wasser oder auch Entwässerungsleitungen des Gebäudes, die nicht ordnungsgemäß angeschlossen wurden. Nicht zuletzt übernimmt der Sockel auch eine ästhetische Funktion: Putzausbildung und Farbgestaltung beeinflussen den Gesamteindruck der Fassade. Architektonisch wird der Wunsch nach einer durchgängigen Putzgestaltung geäußert: im Sockel soll die gleiche Endbeschichtung wie an der Fassade sichtbar sein. Mit der energetischen Anforderung an das Gebäude und der Nutzbarkeit von Kellerräumen als Wohn- oder Arbeitsbereich geht die Anforderung nach einer Außendämmung im Perimeterbereich einher. Die Perimeterdämmung muss in das gestalterische Konzept der Fassade eingebunden werden – welche Anforderungen sind bei der Putzausführung oder dem Anschluss eines Wärmedämm-Verbundsystems (WDVS) an die Sockel- und Perimeterdämmung zu berücksichtigen?

Perimeterdämmung – Anforderung und Ausführung

Als Dämmmaterial für den Sockel- und Perimeterbereich haben sich neben anderen plattenförmigen Dämmstoffen extrudierter Polystyrol Hartschaumplatten bestens bewährt. Die Merkblätter „Einbau&und Verputzen von Platten aus extrudiertem Polystyrolschaum (XPS-R) mit rauer oder gewaffelter Oberfläche“, herausgegeben vom IWM Industrieverband WerkMörtel e.V. (jetzt VDPM Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e.V.) und „Sockelausführung im Übergang zu Wärmedämm-Verbundsystemen und Putzsystemen“ nennen die wesentlichen Details, die bei der Planung und Ausführung zu berücksichtigen sind:

  • Verklebung der Dämmplatten möglichst vollflächig oder im Wulst-Punkt-Verfahren, speziell bei unebenen Untergründen, mit einem Klebeflächenanteil von mind. 40%.
  • Zur Sicherung gegen Abrutschen speziell auf bituminös gebundener Bauwerksabdichtung eine zusätzliche Verdübelung mit 2 Dübel pro Dämmplatte oberhalb der Abdichtungsebene, in der Regel mind. 15 cm über Geländeoberkante (GOK).
  • Schutz der Perimeter-Dämmplatten durch eine lastverteilende Noppenbahn mit Gleitfolie und Vlieskaschierung.

 

Die Verwendung einer Noppenbahn mit Gleitfolie, um so einem Abrutschen oder Abreißen der Perimeter-Dämmplatten bei Baugrundsetzungen vorzubeugen, ist seit Juli 2017 gemäß der geänderten Bauwerksabdichtungsnorm DIN 18533-3 zwingend vorgeschrieben. Die DIN 18533, zusammen mit den anderen Normteilen DIN 18531 – 18535, hat die altbewährte Norm DIN 18195 abgelöst. Die DIN 18195 ist nur als Begriffsbestimmungsnorm (Definitionen) erhalten geblieben. In der DIN 18533-3 wird weiterhin das ordnungsgemäße und lagenweise Verfüllen des ausgeschachteten Bereichs der Baugrube (Arbeitsraum) gefordert. Der Anschluss der Perimeterdämmung an die Putz- oder WDVS-Fassade sollte immer mit geeigneten Profilen erfolgen, wofür die Zubehörindustrie eine entsprechende Auswahl anbietet.

Bauwerksabdichtung und Fassadenanschluss

Der häufigste Fall die gemäß DIN 18533-1 ff geforderte Bauwerksabdichtung für die unterschiedlichen Wassereinwirkungsklassen im Neubau zu erbringen, ist nach wie vor die Verwendung von PMBC, kunststoffmodifizierten Bitumen-Dickbeschichtungen. Im Fall des Anschlusses an eine WDVS-Fassade stellt das auch kein Problem dar, da hier immer zwingend mit einem Sockelprofil gearbeitet werden muss und es sich bei den WDVS-Klebe- und Armierungsmörtel immer um kunststoffmodifizierte Mörtel handelt, die auch auf der glatten und dichten Bitumenoberfläche der Bauwerksabdichtung ein gewisses Haftvermögen aufweisen.

Bituminösen Bauwerksabdichtung: Die Abbildung 2 zeigt den typischen Fall einer bituminösen Bauwerksabdichtung bei einem Neubau, dessen Außenfassade verputzt werden soll. Bereits in der Norm DIN EN 13914-1 „Planung, Zubereitung und Ausführung von Innen- und Außenputzen“, Teil 1 Außenputz, wird in den Unterpunkten 6.3.3 „Saugverhalten“ und 7.5 „Vorbehandlung des Putzgrundes“ darauf hingewiesen, dass bituminöse Untergründe ohne Sondermaßnahmen nicht verputzt werden können. Die bituminöse Abdichtung stellt eine glatte, nicht saugfähige und wasserundurchlässige „Sperrschicht“ dar, auf der ein Standard-Sockelputz nicht haften kann. Hier sind spezielle, kunststoffvergütete Mörtel oder aber ein Putzträger erforderlich. Der Putzträger darf selbstverständlich nicht in der Abdichtungsebene befestigt werden, da ansonsten Fehlstellen eingebaut und die Wirkung der Abdichtung in Frage gestellt werden.

Technische Vorgaben: In der „Richtlinie für die fachgerechte Planung und Ausführung des Fassadensockelputzes sowie des Anschlusses der Außenanlage“ aus dem Jahr 2013, herausgegeben von den beiden Fachverbänden „Stuckateure für Ausbau und Fassade“ und „Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau“ werden die Gewerkelücke eingehend beschrieben und die technischen Vorgaben formuliert, um hier eine sach- und fachgerechte Lösung zu ermöglichen. Im Falle der Verwendung von Putzträgern müssen diese aus Edelstahl sein und mindestens 15 cm über GOK verdübelt werden – also außerhalb der Abdichtungsebene. Als Bauwerksabdichtung werden entweder aufgekämmte flexible mineralische Dichtschlämmen oder bitumenfreie Dickbeschichtungen gefordert. Abdichtungsnorm: Auch die neue Abdichtungsnorm DIN 18533 mit den Teilen 1 und 3 gibt fachspezifische, aber nicht immer praxisgerechte Hinweise. Bei einem Putzanschluss muss das Mauerwerk nun mit einer MDS, also einer rissüberbrückenden mineralischen Dichtungsschlämme, abgedichtet werden und zwar mindestens 20 cm unter Oberkante Gelände. Darauf muss mindestens 10 cm überlappend eine Abdichtung aus PMBC hinterlaufsicher enden. Der Sockelputz selbst muss mindestens 5 cm über GOK ebenfalls mit einer MDS abgedichtet werden. Für die Praxis bedeutet das, dass die mineralische Dichtungsschlämme schon bei der Fertigstellung des Baukörpers im Rohbauzustand aufgebracht werden muss. Bilder, wie in der Abbildung 2 dargestellt, gehören damit der Vergangenheit an.

Abb. 2: Putzauftrag auf bituminöse Bauwerksabdichtung

Bei Renovierungsarbeiten an Bestandsgebäuden wird im Regelfall die bituminöse Abdichtung bereits vorhanden sein. Hier bleibt dann bei einem Putzanschluss nur noch die Lösung, mit einem Putzträger aus Edelstahl zu arbeiten (Befestigungsebene beachten!) oder aber Spezialmörtel zu verwenden. Dazu haben sich in letzter Zeit erfreuliche Lösungen aufgetan, wie beispielsweise das Produkt AKURIT UNI-SD Universal Sockeldicht, das auch auf Bitumenuntergrund haftet und ab einer Schichtdicke von mindestens 7 mm ohne einen weiteren Feuchteschutz im Sockel auskommt.

Optische Gestaltung des Sockels – Ästhetik folgt Funktion

Die Auswahl des eigentlichen Sockelputzes erfolgt in Abhängigkeit der Rohdichte und der Festigkeitsklasse des verwendeten Mauerwerkbildners. Ab einer Steinfestigkeitsklasse > 6 können alle handelsüblichen, schwere und dichte (Wasserabweisung Wc2) Sockelputze verwendet werden. Üblicherweise sind das Zement- oder Kalkzementputze der Festigkeitsklasse CS III bzw. CS IV, wasserabweisend eingestellt, gemäß der europäischen Putzmörtelnorm DIN EN 998-1. Liegen allerdings leichtere, wärmedämmende Mauerwerksbildner vor, könnte ein solch fester und dichter Sockelputz das Mauerwerk schädigen. In diesen Anwendungsfällen greift man auf sogenannte Leicht-Sockelputze der Festigkeitsklasse CS III / Wc2, allerdings mit einer Mindestdruckfestigkeit von 3,5 N/mm², zurück. Die Putze können oberflächenfertig mit einem wasserabweisenden und diffusionsoffenen Fassadenfarbanstrich fertiggestellt oder auch zusätzlich mit einem kunststoffmodifizierten Klebe- und Armierungsmörtel überzogen und gestrichen werden. Eine sehr elegante, kosten- und zeitsparende Lösung ist es, alternativ mit dem AKURIT UNI-SD Universal Sockeldicht direkt als Sockelputz bis zu einer Gesamtstärke von bis 20 mm zu arbeiten.

Strukturputze: Werden aus ästhetischen Gründen Strukturputze im Sockel gewünscht, muss ein besonderes Augenmerk auf die erforderliche Festigkeit und Wasserabweisung gerichtet werden. Die Festigkeitsanforderung beträgt für die Anwendung im Sockel mindesten 2,5 N/mm², sodass nicht alle mineralischen Edelputze geeignet sind. Mineralische Edelputze im Sockel müssen immer mit einem wasserabweisenden Anstrich geschützt werden, dickschichtiger Edelkratzputz ist für den Sockelbereich nicht geeignet! Organisch gebundene OberputzeOrganisch gebundene Oberputze gemäß der DIN EN 15824 können ebenfalls im Sockel eingesetzt werden – dazu gehören beispielsweise auch Buntsteinputze. Beachten Sie zur Sicherheit immer das Vorliegen einer Herstellerfreigabe. Mit der Einhaltung der hier vorgestellten Anforderungen an Bauwerksabdichtung, Perimeterdämmung, Sockelanschluss bei WDVS- und Putzfassaden, dem notwendigen Feuchteschutz im Sockel und den vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten lassen sich dauerhafte und optisch ansprechende Lösungen erreichen und Schäden vermeiden!

LITERATURVERZEICHNINS UND WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN
  • Richtlinie Fassadensockelputz/Außenanlage: Richtlinie für die fachgerechte Planung und Ausführung des Fassadensockelputzes sowie des Anschlusses der Außenanlagen, Ausgabe 2013
  • DIN EN 13914-1: Planung, Zubereitung und Ausführung von Innen- und Außenputzen, Teil 1 Außenputze
  • DIN 18550-1: ergänzende Festlegungen zu DIN EN 13914-1
  • DIN EN 998-1: Festlegungen für Mörtel im Mauerwerksbau•DIN EN 15824: Festlegungen für Außen- und Innenputze mit organischen Bindemitteln
  • DIN 18533-1: Abdichtung von erdberührten Bauteilen - Anforderung, Planung, Ausführungsgrundsätze•DIN 18533-3: Abdichtung mit flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffen
  • AT V DIN 18318: Verkehrswegebauarbeiten – Pflasterdecken und Plattenbeläge in ungebundener Ausführung, Einfassungen•IWM-Merkblatt „Sockelausführung im Übergang zu Wärmedämm-Verbund-systemen und Putzsystemen“, Industrieverband WerkMörtel e.V. (jetzt VDPM Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e.V.), Ausgabe 2014
  • IWM-Merkblatt „Einbau und Verputzen von Platten aus extrudiertem Polystyrolschaum (XPS-R) mit rauer oder gewaffelter Oberfläche“, Industrieverband WerkMörtel e.V. (jetzt VDPM Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e.V.), Ausgabe 2016
  • VDPM-Leitlinien: „Leitlinien für das Verputzen von Mauerwerk und Beton“, Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e.V., Ausgabe 2019
ÜBER DEN AUTOR

Dr. Günter Glock

Leiter Bauberatung Deutschland, Sievert Baustoffe GmbH & Co. KG, Osnabrück