Wenn das Haus nasse Füße hat

Hintergründe und Ursachen für mangelhafte Sanierungen

Einleitend soll darauf hingewiesen werden, dass es zur nachträglichen Horizontalabdichtung zwei anerkannte Verfahren und Methoden gibt – die mechanischen Verfahren sowie die Bohrlochinjektionen. Elektrophysikalische oder -magnetische Verfahren haben bis heute nicht den Nachweis ihrer Funktion erbringen können und entsprechen weder dem Stand noch den allgemein anerkannten Regeln der Technik. In dem nachfolgenden Beitrag geht es um die Injektionsverfahren. Zum einen, da diese Verfahren mit ca. 80% Marktanteil die größte Bedeutung bei der nachträglichen Horizontalabdichtung aufweisen. Zum anderen, weil es bei diesen Verfahren nach wie vor große Unterschiede in den Verfahren sowie Wissensdefizite und Rückschläge in der Ausführung gibt – die in den seltensten Fällen im Material zu finden sind. Aus diesem Grund zeigt der Beitrag die Komplexität der Gesamtthematik sowie die Abhängigkeiten zwischen Schäden und Ursachen und deren Wirkungen sowie der Schadensmechanismen und deren Interpretation auf.

Sanieren oder kaschieren?

Zunächst einmal ist Grundvoraussetzung für eine nachhaltige Sanierung die Klärung der Schadensursache. Selbstverständlich muss an dieser Stelle die Notwendigkeit einer Bauzustandsanalyse und Bauwerksdiagnostik erwähnt werden, auch wenn diese in der Realität selten zum Einsatz kommt. In der Regel als Kostenfaktor gefürchtet, unterschätzen ausführende Fachfirmen allerdings das technische und rechtliche Fundament einer derartigen Untersuchung.

Bauwerksdiagnostik

Nicht nur, dass mit der Bauzustandsanalyse die Ursachen und deren Auswirkungen von Bauschäden geklärt werden. Sondern auch eine Chance bieten, mögliche Kosten in der Ausführung einzusparen, die sich bei einer ganzheitlichen Bauwerksdiagnostik möglicherweise als überflüssig herausstellen. Längst ist es gelebte Praxis, dass die eingesparte Untersuchung am Anfang einer Sanierungsmaßnahme im Endeffekt durch die berühmten „Hosenträger-und-Gürtel-Lösungen“ mehrfach mitbezahlt wird. Des Weiteren sollten sich ausführende Fachfirmen bewusst machen, dass sie im Fall einer auftretenden Gewährleistung den Nachweis der Mangelfreiheit zu erbringen haben, was angesichts fehlender Untersuchungen vor der Sanierung schwierig werden sollte.

Der wichtigste Aspekt einer Bauwerksdiagnostik ist aber, dass mit ihr die Grundlage für die Erstellung eines Instandsetzungskonzeptes geschaffen wird. In diesem ist dann u. a. die Frage nach den Ursachen zu klären, so dass im Sinne der Wirtschaftlichkeit und technischen Machbarkeit die verschiedenen Methoden und Verfahren gegeneinander abgewogen werden. Außerdem ist die Frage nach der bisherigen und zukünftigen Nutzung zu klären, da diese unter Umständen erhebliche Auswirkungen auf die Frage haben kann, ob die Sanierung überhaupt den gewünschten Erfolg bringen kann. Nicht selten wird gerade bei der Mauerwerkstrockenlegung und Kellersanierung die eigentliche Durchfeuchtungsursache nicht beseitigt, da der Aufwand zu hoch oder baulich bedingt nicht möglich ist.

Dann werden kosmetische Maßnahmen wie z. B. das Aufbringen eines Sanierputzes oder das Vorblenden einer Verschalung aus Bauplatten der eigentlichen Abdichtung vorgezogen. Derartige Kompromisse sollten aber im Vorfeld mit dem Auftraggeber besprochen und Vor- und Nachteile objektiv gegeneinander abgewogen werden. Denn, auch wenn der Auftraggeber selten bereit ist, die hohen Kosten einer Kellersanierung in der Angebotsphase zu akzeptieren. Er ist noch weniger bereit, einen Keller zu akzeptieren, der in der Gewährleistungszeit erneute Schäden in Form von Durchfeuchtungen, Abplatzungen oder Ausblühungen aufweist. Infolgedessen sollte das Sanierungsziel zwischen Auftraggeber und ausführenden Fachbetrieb im Vorfeld klar und eindeutig schriftlich definiert werden. Unabhängig der Größe und des Umfanges der nachfolgenden Sanierungsmaßnahme.

Falsche Interpretation

Wertet man die Ursachen von mangelhaften Sanierungen in der Mauerwerkstrockenlegung und Kellersanierung aus, müssen folgende Aspekte genannt werden:

  • Sanierungsziel nicht definiert und/oder technisch nicht erreichbar
  • Fehlende Bauwerksdiagnostik
  • Fehlerhafte Interpretation der Untersuchungsergebnisse der Bauwerksdiagnostik •Ungeeigneter Sanierungsvorschlag und/oder Instandsetzungssystem
  • Planungs- und Ausführungsfehler
  • Einfluss flankierender Maßnahmen nicht bekannt oder unterschätzt
  • Zusammenhang von Schadensmechanismen nicht bekannt
  • Eigenschaften und Anwendungsgrenzen von Produkten nicht bekannt

 

In der Praxis beobachtet man häufig, dass der Sachverständige am Objekt eine rein optische Begutachtung vornimmt und bei Feuchteschäden und Abplatzungen oder Ausblühungen im Sockel vorschnell eine „aufsteigende Feuchte“ diagnostiziert – und folgerichtig eine nachträgliche Horizontalabdichtung empfiehlt. Ob das typische Schadensbild einer „aufsteigenden Feuchte“ auf eine mögliche Undichtigkeit der Regenentwässerung oder fehlenden Vertikalabdichtung zurückzuführen ist oder ggf. die Hygroskopizität bauschädigender Salze das Schadensbild vortäuscht, bleibt dann meistens unberücksichtigt. Nicht nur zum Nachteil für den Auftraggeber, der unter Umständen eine teure Leistung in Auftrag gibt als möglicherweise nötig wäre, sondern auch ggf. zum Schaden des ausführenden Fachbetriebs, wenn sich innerhalb der Gewährleistung erneut Schäden zeigen.

Ohne Kenntnis über die Porosität des Baustoffs, mögliche Hohlräume im Mauerwerksquerschnitt, den Durchfeuchtungs- und Salzgehalt in der horizontalen und vertikalen Verteilung sowie die sich ggf. überlagernden Feuchtemechanismen werden, anschließend Bohrlöcher gebohrt und Injektionsmittel eingebracht. Der Einsatz eines bekannten Injektionsmittels eines namhaften Herstellers hat an dieser Stelle leider mehr Gewicht als die profunden Kenntnisse über die tatsächlichen Vor-Ort-Bedingungen, die letztendlich darüber entscheiden, ob sich ein Injektionsmittel im Mauerwerk verteilen und nach Abschluss des Wirkmechanismus eine Horizontalsperre ausbilden kann.

Große und kleine Unterschiede

Dabei unterscheiden sich die verschiedenen Injektionsmittel ganz erheblich. Und ein Injektionsmittel, das an einem Objekt gut geeignet ist und eine schnelle Wirkung entfalten wird, kann am nächsten Objekt völlig ungeeignet sein. Hierzu muss man wissen, dass die verschiedenen Injektionsmittel ganz unterschiedlich wirken und eben nicht alle das Mauerwerk „verkieseln“ oder die Poren hydrophobieren.

Die Art der Injektionsmittel

Es gibt Injektionsmittel, die chemisch reagieren, andere wiederum trocknen rein physikalisch. Es gibt Injektionsmittel, die mit dem Porenwasser reagieren und somit unabhängig vom Durchfeuchtungsgrad einsetzbar sind, andere wiederum brauchen für die Verteilung ein freies Porenvolumen, so dass der Durchfeuchtungsgrad einen gewissen Wert nicht überschreiten darf. Bei dem einen Produkt beträgt dieser maximale Durchfeuchtungsgrad ca. 60%, während andere bis 70 oder 80% einsetzbar sind. Wenige Injektionsmittel können auch bei >95% DFG eingesetzt werden. Dies entscheidet darüber, ob ein Injektionsmittel mit Druck eingebracht werden muss oder drucklos eingebracht werden kann. Einige Injektionsmittel verstopfen die Baustoffkapillaren, andere wiederum verengen deren Querschnitt oder hydrophobieren die Porenoberfläche. Dass einige Injektionsmittel auch noch diese Wirkmechanismen kombiniert anbieten, macht die Materialauswahl nicht unbedingt einfacher.

Das richtige Injektionsmittel wählen

Einige Injektionsmittel reagieren mit Salzverbindungen im Mauerwerk, andere sind inert. Auf welcher Grundlage soll aber nun für eine bevorstehende Sanierungsmaßnahme das richtige, geeignete und funktionstaugliche Injektionsmittel ausgewählt werden, wenn man den Durchfeuchtungs- und Versalzungsgrad eines Mauerwerkes und/oder den Zustand des Mauerwerksquerschnittes nicht kennt? Eine Sanierung ohne vorherige Bauwerksdiagnostik bleibt somit immer mit einem hohen Risiko verbunden oder wird durch andere Maßnahmen kaschiert (Abbildung 1 und 2).

Abb. 1: Bohrlöcher im Mauerwerk zur Aufnahme der Injektionsflüssigkeit

Abb. 2: Drucklose Injektion

Fazit

Erst das Zusammenspiel aus der Bestimmung des Sanierungsziels, der objektbezogenen Bauwerksdiagnostik und der daraus folgenden Auswahl des geeigneten Sanierungsverfahrens stellt eine erfolgreiche und nachhaltige Sanierungs-maßnahme sicher! Und selbstverständlich muss diese am Objekt sichergestellt werden. Denn, was nutzt das beste Sanierungsverfahren und teuerste Injektionsmittel, wenn letztendlich „Kleinigkeiten“ darüber entscheiden, ob sich eine nachträgliche Horizontalsperre ausbildet und kapillar aufsteigende Feuchte gestoppt wird. Bedauerlicherweise ist sowohl Planern und ausschreibenden Stellen genauso wie ausführenden Firmen zu wenig bekannt, welchen Einfluss flankierende Maßnahmen bei der Mauerwerkstrockenlegung und Kellersanierung haben.

Flankierend, aber keinesfalls nebensächlich

Flankierende Maßnahmen bei der Mauerwerkstrockenlegung und Kellersanierung haben in der subjektiven Wahrnehmung häufig den Charakter einer „Neben-bei-Leistung“. Bei einigen Verfahren finden die flankierenden Maßnahmen vor, bei anderen während oder nach der eigentlichen Sanierungsmaßnahme statt. Diese können z. B. Injektionen sein, um z. B. Hohlräume im Mauerwerksquerschnitt zu verfüllen. Bei anderen Verfahren findet eine Vortrocknung des Mauerwerkes statt, um den Durchfeuchtungsgrad zu senken und freies Porenvolumen zu schaffen. Die thermische Behandlung des Mauerwerkes kann aber auch nach der Injektion stattfinden, um die Trocknung und somit den Wirkmechanismus des Injektionsmittels sicherzustellen. Bei einem anderen Verfahren wird ein Aktivator eingesetzt, um die chemische Reaktion des Injektionsmittels zu beschleunigen. Flankierende Maßnahmen haben deshalb die Aufgabe, bei einigen Verfahren in Abhängigkeit zu den Objektbedingungen und dem gewünschten Sanierungsziel überhaupt erst den Erfolg einer Sanierungsmaßnahme sicherzustellen und sollten in ihrer Wirkung nicht unterschätzt werden. Dies soll am Beispiel der Silikonmikroemulsionen kurz erklärt werden.

Wie wirkt das Injektionsmittel?

Das Wirkprinzip basiert auf einer Kapillarhydrophobierung. Dies bedeutet, dass das Injektionsmittel nach physikalischer Trocknung und Härtung eine hydrophobe Oberfläche ausbildet (Benetzungswinkel >90°). Dies setzt aber wiederum voraus, dass die physikalische Trocknung und Härtung stattfinden kann. In einem Mauerwerk mit einem hohen Durchfeuchtungsgrad (z. B. über 90%) sowie gleichzeitig hoher relativer Luftfeuchte (z. B. über 80%), die in Kellerräumen während Sanierungsarbeiten nicht selten angetroffen wird, findet die Austrocknung nur sehr langsam oder unter Umständen gar nicht statt. Infolgedessen bleibt das Injektionsmittel in seiner flüssigen (wässrigen) Phase und kann nicht austrocknen. Die Folge wäre, dass die Silikonharzstruktur auf der Porenoberfläche keine Hydrophobie aufbauen kann, so dass Feuchtigkeit im Mauerwerk weiterhin kapillar transportiert wird.

Die richtige Trocknung

Wird nun nach erfolgter Injektion z. B. außenseitig eine Vertikalabdichtung und innenseitig ein Sanierputz auf das Kellermauerwerk aufgetragen oder je nach Objektbedingungen eine Negativabdichtung, bleibt das Mauerwerk noch länger feucht und wird die Austrocknung unter Umständen komplett behindert. Die nachträgliche Horizontalabdichtung kann sich demnach nicht ausbilden. Hierbei wird häufig unterschätzt, dass das Auftragen einer Beschichtung, entweder als Vertikalabdichtung oder Putzes, nicht nur die Austrocknung behindert oder verzögert, sondern auch neue Feuchtigkeit in die Kellerräume transportiert und die relative Luftfeuchte erhöht. Aus diesem Grund setzen immer mehr Fachfirmen während oder nach den Injektionsarbeiten Entfeuchtungsgeräte ein, die man von der Technischen Bautrocknung kennt. Diese reduzieren die Luftfeuchtigkeit, so dass eine Austrocknung des Mauerwerkes und infolgedessen auch der Injektionsebene stattfinden kann. Zusätzlich empfiehlt sich, während dieser Trocknungsphase das Mauerwerk nicht zu beschichten und erst nach Trocknung der Injektionsebene mit den weiteren Arbeiten fortzufahren.

Die flankierende Maßnahme kann, wie in diesem Beispiel durch das Aufstellen von Trocknern, die Austrocknung des Mauerwerkes und den Aufbau des Wirkmechanismus sicherstellen. Also nachträglich wirken, um den Erfolg sicherzustellen. Eine Vorinjektion z. B. mit einer Zementsuspension kann aber auch vorab die Aufgabe übernehmen, die Funktion der nachträglichen Horizontalabdichtung sicherzustellen. Bei einem klüftigen und/oder hohlräumigen oder mehrschaligen Mauerwerk kann sich das Injektionsmittel nicht gleichmäßig verteilen und läuft unkontrolliert innerhalb des Mauerwerkes weg. Die Vorinjektion als flankierende Maßnahme hat die primäre Aufgabe, diese Hohlräume zu verschließen und den unkontrollierten Abfluss zu verhindern. Auch hierfür wäre eine vorherige Bauzustandsanalyse unumgänglich, da der Mauerwerksquerschnitt von außen nicht zuverlässig eingeschätzt werden kann.

Sanieren oder kaschieren?

Die bekannteste Maßnahme, die flankierend zur nachträglichen Horizontalabdichtung ausgeführt wird, ist aber weiterhin der Sanierputz, der die Aufgabe hat, die während der Austrocknung des Mauerwerkes an die Oberfläche transportierten und auskristallisierten Salze in seinem Putzgefüge aufzunehmen und in den Makroporen einzulagern. Allerdings hat der Sanierputz als flankierende Maßnahme auch einen ganz wesentlichen Nachteil. Bildet sich aus den vorher beschriebenen oder auch anderen Gründen im Mauerwerk keine nachträgliche Horizontalabdichtung aus, verhindert der Sanierputz, dass dies sichtbar wird. Der Sanierputz „kaschiert“ den Misserfolg und verhindert somit die Erfolgskontrolle durch den Auftraggeber und/oder Auftragnehmer. Hinzu kommt, dass in einem Mauerwerk, in dem sich die nachträgliche Horizontalabdichtung nicht ausbilden konnte, der Durchfeuchtungsgrad nicht abnimmt und somit die Salze in Lösung bleiben. Infolgedessen werden diese im Mauerwerksquerschnitt weiter nach oben transportiert und kristallisieren an anderer Stelle aus. Für den Auftraggeber ist dies ein sehr unbefriedigender Zustand, da trotz ausgeführter Horizontalabdichtung die Oberfläche im Bereich der Injektionsebene unter Umständen „trocken“ ist und sich an anderer Stelle Durchfeuchtungen und Abplatzungen sowie Salzausblühungen zeigen.

Über den Autor

Frank Frössel

ist Leiter Marketing und Kommunikation bei der Sievert AG inkl. dem Produktmanagement, Fachbuchautor und Sachverständiger sowie Dozent und Mitglied in einschlägigen Fachverbänden.