Wohnraumgesundheit – kann man Behaglichkeit messen?

Das Innenraumklima wird ganz wesentlich durch die Behaglichkeit definiert. Infolgedessen sind die Darstellung und Bewertung der bauphysikalischen Situation in Wohnungen deutlich subjektiver geprägt, als im Außenbereich.

Behaglichkeit bestimmen

Unter Behaglichkeit versteht man den Zustand des Wohlbefindens eines Menschen, der durch äußere Einflüsse geprägt wird. Ein behagliches Raumklima wird neben Licht und Feuchtigkeit sowie Luftbewegung vor allem durch einen Faktor bestimmt - der Temperatur. Deshalb spricht man in der Regel auch von der so genannten thermischen Behaglichkeit. Der Bauphysiker differenziert in die Oberflächentemperatur von Wand, Boden und Decke sowie in die Raumlufttemperatur und in die gefühlte oder empfundene Temperatur. Selbst Temperaturunterschiede in Fußboden- und Kopfhöhe werden bewertet. Darüber hinaus darf die Luftbewegung nicht zu stark sein, da diese sonst als Zugluft empfunden wird. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte nicht zu gering sein (Raumluft zu trocken), aber auch nicht zu hoch.

Allerdings sollte die Raumlufttemperatur nicht pauschal empfohlen werden, da es Unterschiede in der Nutzung der Räume gibt. So werden für das Wohnzimmer Temperaturen von 20 bis 23°C, für Schlafzimmer von 17 bis 20°C, für Küche von 18 bis 20°C, für das Bad 20 bis 23°C und für das WC 16 bis 19°C empfohlen.

Wärmestrahlungsaustausch der Bewohner

Neben dem Wärme- und Feuchtigkeitsaustausch (Innen- mit Außenluft) spielt für die Behaglichkeit auch noch der Wärmestrahlungsaustausch der Bewohner mit ihrer Umgebung eine wichtige Rolle. Die Haut ist der kontinuierliche Wärmetauscher des Menschen. Ein normal bekleideter Mensch hat bei einer Raumlufttemperatur von 22°C eine Oberflächentemperatur von durchschnittlich 34°C auf der Haut. Der Temperaturunterschied zwischen Körperoberfläche (Haut) und Umgebungsluft bedingt einen ständigen Wärmeverlust des Körpers. Dies erfolgt über vier verschiedene Mechanismen: durch Wärmestrahlung zwischen der Körperoberfläche und den Umgebungswänden, durch Wärmeleitung von der Körperoberfläche an direkt berührte Festkörper wie z. B. über der Füße zum Fußboden, durch Verdunstung (feuchte Wärmeabgabe) wie Schweiß oder Atmung sowie durch Wärmeübergang als Folge von der an der Körperoberfläche vorbeistreichenden Luft. Durch diese Wärmeabgabe empfindet der Mensch die gefühlte Temperatur anders als die tatsächliche Temperatur in Räumen. Diese kann über folgende Formel berechnet werden:

Empfindungstemperatur = (Oberflächentemperatur + Lufttemperatur) geteilt durch 2

In geschlossenen Innenräumen entsteht durch das Aufsteigen warmer (leichter) Luft z. B. über Heizkörpern und durch das Sinken kalter (schwerer) Luft z. B. an oder vor kalten Wänden immer eine gewisse Luftbewegung. Normalerweise wird diese Konvektion nicht bemerkt, da die Bewegung der Luft zu gering ist. Steigt die Luftbewegung auf über 20cm pro Sekunde wird diese als störende Zugluft empfunden. Diese Situation liegt in der Regel dann vor, wenn die Raumlufttemperatur mehr als 5°C höher als die Wandoberflächentemperatur ist. Der Vollständigkeit wegen sollen noch optische und akustische Einflüsse genannt werden. Außerdem gibt es neben der thermischen auch noch die hygienische Behaglichkeit, mit der die Zusammensetzung und Qualität der Luft beschrieben wird (Tabakrauch und Schadstoffe sowie CO2-Gehalt). Die Behaglichkeit in Räumen gewinnt deshalb immer mehr an Bedeutung, da sie in der Regel zu einer optimalen Leistungsbereitschaft der sich darin enthaltenden Personen führt.

 

SCHON GEWUSST?

Von einem behaglichen Raumklima spricht man, wenn sich die empfundene Raumtemperatur zwischen 18 und 21°, die tatsächliche Raumlufttemperatur zwischen 20 und 22°C, die Oberflächentemperatur der Wände bei 17 bis 19°C und die Fußboden- und Deckentemperatur bei 18 bis 20°C befindet. Die Temperaturunterscheide zwischen Kopf und Fuß sollten nicht mehr als 3°C auseinander liegen. Die relative Luftfeuchte sollte bei ca. 50% liegen und die Luftbewegung max. 0,2m pro Sekunde betragen.

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ÜBER DEN AUTOR

Frank Frössel

ist Leiter Marketing und Kommunikation bei der Sievert AG inkl. dem Produktmanagement, Fachbuchautor und Sachverständiger sowie Dozent und Mitglied in einschlägigen Fachverbänden.